Fast gelöscht: Überflüssiges Behördengezerre um Osterfeuer

Als Blankeneser Abgeordneter in der Bezirksversammlung Altona habe ich mich über den kürzlich neu entflammten Streit zwischen Bezirksamt und Luntenführern (amtlich: Feuerbauer) um die traditionsreichen Osterfeuer gewundert. Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass der am 10. Februar 2022 in der Bezirksversammlung Altona überparteilich erreichte Konsens für die Genehmigung ausreichte. Darin hatten wir die Behörden u. a. dazu aufgerufen, „in Abstimmung mit dem Bezirksamt Altona die Durchführung der Blankeneser Osterfeuer als Kulturgut in diesem Jahr und auf Dauer sicherzustellen“.

Doch nun verlangte das grün geführte Bezirksamt nicht lang vor Ostern ultimativ von den Luntenführern, eine „Vereinbarung“ zu unterschreiben. Darin sollten die Feuerbauer sich unter anderem verpflichten, behördliche Auflagen an die Sicherheit zu erfüllen. Das hätte man sich schenken können, meine ich.

Ich selbst habe als Jugendlicher nach Silvester ausgediente Weihnachtsbäume von den Straßenrändern für „mein“ Osterfeuer gesammelt. Wir verteidigten unsere „Geheimlager“ gegen rivalisierende „Banden“ anderer Feuer. Beim Haufenaufbau habe ich mit angepackt. Angeleitet wurden wir Jüngeren von den Luntenführern, die bis heute meistens aus alteingesessenen Familien im und am Treppenviertel stammen.

Mir ist nicht bekannt, dass die ehrenamtlichen Aufbauer jemals die Durchführung der Osterfeuer verantwortungslos betrieben hätten. Die Brauchtumshüter wissen sehr wohl, wie man Feuer sicher aufbaut und abbrennt. Das sind gestandene Leute. Die muss man nicht per Unterschrift zur „Zusammenarbeit“ mit den Ordnungs- und Sicherheitsbehörden verpflichten.

Dass die Betroffenen nach anfänglichem Protest gegen die übermäßige Bürokratie doch noch unterschrieben haben, um ein Osterfeuerverbot abzuwenden, spricht für sie. Nur: Bis zum Konflikt hätte es nicht kommen müssen. Ich jedenfalls setze volles Vertrauen in die Macher der vier Blankeneser Osterfeuer. Nur funkenfördernder Starkwind sollte künftig dafür sorgen können, dass die Feuer am Elbstrand nicht wie seit Jahrhunderten am Ostersonnabend in voller Pracht erglühen!

Wolf Achim Wiegand, Stellvertretender FDP-Fraktionsvorsitzender in der Bezirksversammlung Altona und Sprecher für Klima-, Umwelt- und Verbraucherpolitik.